Sarah-Lee Heinrich Instagram – Robert Habeck findet also, die Menschen arbeiten zu wenig und streiken zu viel. In einem Statement kritisiert er, zu einer Zeit, in der über 700.000 Stellen unbesetzt sind, könne man doch nicht über Arbeitszeitverkürzung nachdenken. Damit offenbart er viel über sein Verständnis von Politik und illustriert außerdem perfekt, warum die Grüne Partei unter vielen Beschäftigten wenig Sympathie erfährt.
Statt über die gesellschaftlichen Gründe für diesen »Fachkräftemangel« zu reden, appelliert er an die Verantwortung eines »Wir«, das jetzt einfach mehr arbeiten müsse. Das stärkt strukturell die Arbeitgeberseite. Denn die schrittweise Verkürzung der Arbeitszeit ist seit jeher ein Kernanliegen der Arbeiterbewegung und unter den Arbeitenden extrem populär. Denn bei gleichem Geld für weniger Arbeit bedeutet sie eine ordentliche Lohnsteigerung pro Stunde. Aber nicht nur das: Die Beteuerung, dass man jetzt nicht zu viel verlangen sollte, untergräbt auch die Verhandlungen über einen Inflationsausgleich. Das ist für die gegenwärtig wieder aufkeimende Streikbewegung fatal.
Aber auch an dem Problem, dass in wichtigen Branchen Beschäftigte fehlen, geht Habecks Argumentation vorbei: Denn es ist ein strukturelles und hat wenig damit zu tun, dass Menschen sich davor scheuen, zu arbeiten. Sie scheuen sich vielmehr davor, unter schlechten Bedingungen zu arbeiten. Und das ist auch gut so. Es wird zu wenig ausgebildet, zu wenige Azubis werden übernommen und die Arbeitsbedingungen sind nicht rosig. Und wir haben viele fähige Beschäftigte, die an sinnvolleren Orten arbeiten könnten: mehr Bus-, statt Uber-Fahrerinnen, mehr Bahn-, statt SUV-Bauer.
Den ganzen Artikel von @xsarahleee gibt es auf jacobin.de🗞️ | Posted on 18/Mar/2024 21:03:48



