Sascha Lobo

Sascha Lobo Instagram – ACHTUNG – FOTOS TOTER TIERE.
Im Januar 2020 geht die Nachricht herum, es seien eine Milliarde Tiere bei den Buschbränden verendet. Eine Schätzung, zu der man schwer Bezug herstellen kann.
Außer man ist vor Ort. In manchen Wäldern sieht man auf den ersten Blick kein Tier. In anderen stößt man alle paar Meter auf Tierleichen.

Exkurs: Ich bin schon in Süd- und Nordamerika gewandert, in Asien, Ozeanien und in Europa fast überall. Aber nirgends gibt es so viel Roadkill wie in Australien. Die Straßen sind gesäumt von Tierleichen. Am krassesten Tasmanien; an tasmanischen Landstraßen findet sich buchstäblich kein Meter ohne Tierknochen. Ich habe dort mehr Känguruwirbelsäulen gesehen als Menschen. Das liegt einerseits an der großen Zahl wilder Tiere und andererseits daran, dass Beuteltiere noch weniger geschickt mit der Todesgefahr Auto umgehen können als etwa Rehe. Australien ist der Kontinent der toten Tiere.

Und trotzdem: Bei den Buschbränden sind so unfassbar viele Tiere verendet, dass es Forderungen nach einem offiziellen „Kadavermanagement“ gibt.

In der Natur bildet sich um Kadaver eine sogenannte Halo. Im verrottenden Körper sind so viele Nährstoffe, dass bestimmte Pflanzen schneller und prächtiger wachsen. Sie bilden einen gut erkennbaren Pflanzenring um die Aasstelle. Bis jetzt ist kaum erforscht, was eine Milliarde Kadaver für die Natur bedeuten.

Bei dem Hirsch auf dem Foto ist wiederum nicht 100% klar, ob er durchs Feuer starb. Dafür spricht der Zeitpunkt des Todes und dass er weit von der Straße entfernt liegt. Sein Geweih wurde nachträglich entfernt, von wem auch immer.
Hitze ist Killer Nummer eins bei Buschbränden, für Mensch und Tier. Dann kommen Gase und die damit einhergehende Erstickung. Auch Erschöpfung und Nahrungsmangel lange nach dem Feuer spielen eine Rolle. Tod durch Verbrennen ist seltener als man glaubt.
Inzwischen ist das Überleben einiger Arten ernsthaft bedroht durch die Buschfeuer, Warzenhonigfresser oder Blue Mountain-Wasserskinks etwa. Auch Quokka- und Koala-Populationen wurden empfindlich getroffen. Buschbrände und Tiersterben sind ein normaler Bestandteil der Evolution. Aber nicht in dieser Größenordnung.

#australienbrennt | Posted on 09/Feb/2020 19:41:59

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