Sascha Lobo Instagram – Es sind nicht allein die bestürzenden Bilder der Brände. Es sind vor allem die Geschichten dahinter.
Zum Abschluss des ersten Teils meiner Berichterstattung der australischen Buschbrände will ich persönlicher werden. Ich habe viele tote Tiere gesehen und einen Ort, an dem ein Mensch starb. Diese niedergebrannte Farm wollte ich nicht fotografieren. Aber bei den Tieren habe ich mich entschlossen, eine Geschichte zu erzählen.
Ob dieses Känguru am Buschfeuer starb, ist kaum zu klären, aber wahrscheinlich. Es ist nicht vollständig verbrannt. Viele Tiere werden nicht direkt vom Feuer getötet, sondern von Hitze und Rauch. Über die Hälfte aller Feuertoten sterben am Einatmen heißer Gase.
Das tote Känguru ist mir am Ende des Streifzuges durch Sarsfield begegnet, ich habe zuerst den Kopf gesehen. Es wirkt, als seien die Nasenlöcher verkohlt, der Rest des Schädels aber nicht. Das könnte darauf hindeuten, dass das Känguru noch atmete, als die Temperaturen in seiner Umgebung zur Todesfalle wurden. Kängurus haben ein gutes Fluchtgespür und können sich sehr schnell bewegen. Der Ort schien mir nicht, als wäre das Tier von Flammen umzingelt worden. Warum also starb es dort? Solche Fragen bleiben meist unbeantwortet. Hier nicht.
Wenn mich etwas mitnimmt, habe ich inzwischen verschiedene Instrumente, damit zurechtzukommen. Eines ist die intensive Beschäftigung mit der Belastung; eine Art Bewältigung durch Überdosierung. Das habe ich von meiner Frau @meikelobo gelernt. Ich habe das Känguru eingehend untersucht. Aber schon ein Blick von der anderen Seite hätte gereicht, um den Horror des Geschehens zu erfassen.
Die Pfote des Kängurus hatte sich im Drahtzaun verfangen. Wahrscheinlich ist es auf der Flucht vorm Feuer hängengeblieben, hat in Panik versucht, sich zu befreien und dabei die Drahtschlinge immer fester zugezogen. Die Szenerie lässt eigentlich nur diesen Schluss zu. Das Tier gerät in eine unabsichtlich menschengemachte Falle und muss jämmerlich sterben.
Ein Symbol für das derzeitige massenhafte Sterben auf dem Planeten, ob durch Buschbrände oder anders. Wir sind dabei, Fallen zu bauen, auch für uns selbst.
#australienbrennt #australianbushfires | Posted on 27/Jan/2020 17:36:40
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