Marie-Agnes Strack-Zimmermann Instagram – Das heute unterzeichnete EU-Indien-Handelsabkommen ist ein Erfolg und Chance für Europa. Während USA unter Trump von einer wertebasierten Ordnung entfernen und Europa verunsichern, sucht die EU neue Partner, die unsere Vorstellungen von internationaler Zusammenarbeit teilen. Indien könnte ein solcher Partner werden.
Mit knapp 1,5 Mrd. Menschen ist das Land heute die bevölkerungsreichste Nation der Welt und wirtschaftlich auf dem Sprung: hohe Wachstumsraten, führend in IT, Pharma und Raumfahrt. Bis 2047 will Indien zu den entwickelten Ländern aufschließen und benötigt dafür Investitionen und Technologie. Für Europa eröffnet das einen riesigen Markt.
Indien ist die größte Demokratie der Welt und Werte wie Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sind tief verankert. Gleichzeitig wirft die hindu-nationalistische Politik der Regierung Modi Fragen auf. Wenn Europa Indien als Partner gewinnen will, muss es das Land besser verstehen und mit seinem neuen Selbstbewusstsein umgehen.
Geopolitisch fühlt sich Indien durch China und Pakistan bedroht; fast ein Drittel der indischen Eliten erwartet einen Konflikt mit China, knapp die Hälfte mit Pakistan. Angesichts abgeschlossener Landrouten ist Indien auf den Seehandel angewiesen, wo Chinas „String of Pearls“ Druck aufbaut. Europas Unterstützung im Verteidigungsbereich – etwa durch U-Boot-Kooperationen – wäre daher strategisch sinnvoll.
Gleichzeitig versucht Indien, seine Abhängigkeit von russischer Rüstung zu reduzieren. Auch wenn Russland aus indischer Sicht ein wichtiger Partner bleibt, geht es dabei vor allem um Pragmatismus, nicht um ideologische Nähe. Europa muss kritisieren können, ohne die Hand zu verlieren.
Das Freihandelsabkommen zwischen EU und Indien ist ein wichtiger Schritt. Doch Handel allein genügt nicht. Europa sollte Partnerschaften bei Energie, Technologie, Verteidigung und Fachkräftemigration vertiefen. Indische Talente sind kein Risiko für deutsche Arbeitsplätze, sondern ein Gewinn.
Um dieses Potenzial zu nutzen, braucht Europa mehr strategisches Denken und Pragmatismus. Partnerschaften entstehen nicht im Seminarraum, sondern in der Realität geopolitischer Interessen. Wer dort nicht mitspielt, wird gespielt. | Posted on 27/Jan/2026 23:38:58



