Marie-Agnes Strack-Zimmermann Instagram – Der heutige Holocaust-Gedenktag ist kein Ritual der Betroffenheit. Er ist eine Zumutung an uns alle. Eine Zumutung, die Erinnerung nicht zu glätten, sondern auszuhalten: den industriellen Mord, die völlige Enthemmung des Hasses, den Zusammenbruch aller zivilisatorischen Errungenschaften. Wer diese Vergangenheit ernst nimmt, muss sich fragen, was uns heute davor bewahrt, blind zu werden für das Offensichtliche.
Denn es reicht nicht, heute einmal traurig zu sein und ab morgen wieder zur Tagesordnung überzugehen. Antisemitismus ist kein Schatten aus der Vergangenheit, er steht mitten im Raum. Er schreit auf Deutschlands Straßen, verbreitet sich sorglos in sozialen Netzwerken, versteckt sich hinter vermeintlicher „Israelkritik“, frisst sich in Universitäten, Schulen und Vereine. Und er fordert jüdisches Leben in Deutschland jeden Tag heraus. Nicht abstrakt, sondern konkret, im Alltag, beim Schulweg, in der Synagoge, im Supermarkt, im Netz.
„Nie wieder“ ist keine Formel, sondern eine Verpflichtung. Sie misst sich nicht an Gedenkveranstaltungen, sondern an Mut, Konsequenz und staatlicher Härte gegen jeden, der Judenhass legitimiert, relativiert oder salonfähig macht. Wer Freiheit und Demokratie ernst nimmt, muss den Schutz jüdischen Lebens ernst nehmen. Nicht irgendwann, nicht nur heute, sondern jeden Tag.
Gedenken, das folgenlos bleibt, ist bequem. Gedenken, das verpflichtet, ist unbequem. Genau deshalb brauchen wir Letzteres.
#WeRemember | Posted on 27/Jan/2026 16:56:04



